Ackerlei

Mitglied im Anbauverband Bioland

Kraniche am Himmel

 

Die Tauben bauen wieder über unserem Fenster - diesmal mit Verstärkung und gleich zwei Nester. Unsere Enten auf dem Löschteich sind auch gesichtet worden, ebenfalls nicht nur zu zweit. Wie es scheint, hat Elli hat sich einen Harem zugelegt.

 Rotkehlchen

 

Bei schönem Wetter ziehen Störche ihre Kreise und in den Zweigen der Hecken zwitschert es gewaltig. Kranichformationen hört man schon von weitem hoch am Himmel vorbeiziehen. Die Krähenscharen fühlen sich wohl und zusammen mit den Nilgänsen bevölkern sie unsere Felder. Wie auch immer wir das finden, eins ist sicher: es fühlt sich nach Frühling an und die Erfahrung sagt, dass es dann auch bald Frühling wird. Wenn auch nicht immer alle einer Meinung sind, darin sind wir es: wir freuen uns drauf! … und die Frühjahrmüdigkeit schaffen wir nun auch noch ;)

 

Emmi gähnend auf dem Tisch vor dem Laden

 

Vieles hat schon im Verborgenen begonnen und wartet nur darauf, endlich durchzustarten. Radieschen und Spinat keimen unter der Vliesdecke, erste gemüsige Samenkörner wurden in die Anzuchtplatten gesät, schon gezogene Salatsetzlinge wurden geliefert und im Folientunnel gepflanzt. Hier wächst auch noch unser Winterpostelein, Barbarakraut, Rote Bete Blätter, Spinat und Petersilie. Die Vorfreude auf frisches Grün auf dem Teller wächst mit jedem sonnigen Augenblick da draußen.

 

Spinat im Folientunnel

 

Rote Bete Blätter im Folientunnel

 

Petersilie im Folientunnel

 

keimende Radieschen auf dem Acker

 

Vorfreude ist ein gutes Stichwort… Mittlerweile ist es ja unübersehbar, dass wir dabei sind, ein neues Gewächshaus zu bauen.

 

Skyline und Gewächshaus Stahlhülle

 

Von so einem Gewächshaus träumen wir schon lange, denn der Anbau von Tomaten und Gurken in unseren kalten, niedrigen Folientunneln ist nicht wirklich „artgerecht“, weil die Bedingungen selten optimal für diese Pflanzen sind. Entsprechend hoch ist der Arbeitseinsatz und oft auch enttäuschend, was am Ende dabei rauskommt. Nun denn, nach einigen Jahren Beschäftigung mit der Thematik, endlos erscheinenden Beratungen und Planungen und Genehmigungsverfahren, konnten wir dieses Vorhaben nun beginnen in die Tat umsetzen. So ein Haus steht recht schnell, das knifflige ist die Technik darin, die das Klima im Griff behält. Zu Beginn wird mit Gas geheizt; später kommt eine Heizung aus regenerativen Energien dazu. Die technische Leitung wird Philipp Zell übernehmen, denn die junge Generation braucht ja auch ihre Herausforderungen - und die „Alten“ haben eigentlich auch genug zu tun!

 

Folie aufziehen auf das Gewächshaus

 

Baggerarbeiten im Gewächshaus bei Nacht

 

In diesem Haus finden 18.000 Tomaten- und Gurkenpflanzen eine Heimat für ca. 9 Monate im Jahr. Dafür dass sie nicht umfallen, werden ungefähr 270 Kilometer (kompostierbare) Schnur nötig sein.

 

Im Winter braucht der Boden (und wir) eine Pause und es wird zur Regeneration eine Gründüngung eingesät. Als Startkapital für diese Saison hat er – der Boden - ca. 30.000 Kilo guten Mist-Kompost bekommen. Und vor dem Bau war auf dem Feld drei Jahre lang Gründüngung eingesät. Entgegen der üblichen Praktik, haben wir die Fläche nicht gerade abgeschoben, sondern wir haben in eine Schräge gebaut, um unseren guten Boden erhalten zu können. Das war zwar keine leichte Übung für die Planer und Monteure, aber anders konnten unsere Regenwürmer und wir uns das nicht vorstellen. Genug sind die 375 m³ Erdbewegungen, die für die Zufahrten nötig geworden sind.

 

Unser Haus ist 7800 m² groß und nicht aus Glas, sondern mit einer Spezialfolie abgedeckt, die gegenüber Glas viele Vorteile haben soll. Für die Konstruktion wurden ca. 80 Tonnen Stahlteile mit beeindruckenden etwa 1500 Kilo Schrauben zusammengepuzzelt.

 

Stahlhülle Gewächshausteile von oben

 

Gewächshaus von oben

 

Lieferung Pufferspeichertank

 

Für das Regenwasser gibt es 3400 m³ Lagerkapazität, so dass nichts davon verloren geht und zur Bewässerung verwendet werden wird.

 

Ein Wärmepuffer-Speicher von 150 m³ und 12 km Rohre sorgen dafür, dass es die Pflanzen schön warm haben, wenn wir noch mit der Mütze auf dem Kopf herumlaufen.

 

Schnüre aufhängen im Gewächshaus

 

Pflanzlöcher bohren im Gewächshaus

 

Bett im Gewächshaus

 

Gurkenpflanzen im Gewächshaus

 

Tomatenpflanzen im Gewächshaus

 

Mauern im Gewächshaus Thomas E. und Peter B.

 

Hummeln Behälter im Gewächshaus

 

Tomatenblüten Gewächshaus

 

Erste Gurken mit Blüten aus dem Gewächshaus

 

Auch wenn bei Weitem noch nicht alles fertig ist, die Heizung noch nicht wirklich rund läuft und 24/7 Betreuung einfordert (darum das Palettenbett), die aufwendige Technik noch gelernt werden muss und es noch vielerlei Arbeiten drumherum zu erledigen gibt, ist schon jedes Pflanzloch besetzt und die ersten Hummeln ziehen ihre Flugbahnen, um den Bestäubungsauftrag für die langsam sichtbaren Blüten wahrzunehmen. In diesem Fall mussten wir gegen jede Vernunft und mit jede Menge Gottvertrauen handeln, weil die Pflanzen dafür schon Monate im Voraus bestellt werden mussten, als wir noch keine Ahnung hatten, ob wir überhaupt halbwegs fertig werden könnten mit den Vorbereitungen.

 

Viele helfende Hände, gute Berater, wenig Schlaf, leckeres Essen und Reduzierung der Prioritäten auf ein Ziel, können erstaunliches Bewegen. Wir fühlen uns jedenfalls echt beschenkt damit, dass tatsächlich nun schon Minigürkchen zu sehen sind. Und wir können auch hoffentlich bald die Selbsthilfegruppe für vernachlässigte Frauen und Kinder von Gärtnern und Bauherren und deren Berater, Monteure und Freunde wieder auflösen.

 

Leider können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Besichtigung anbieten, weil so ein Gewächshaus ein mordsmäßiges Hygienemanagement erfordert und darum keine Fremden mehr rein dürfen, wenn es bepflanzt ist. Eventuell geht das dann im Herbst.

 

Nun, außer der Gewächshaus-Action läuft hier alles seinen normalen, noch winterlichen Gang mit dem Blick auf den Frühling am Horizont. Die Traktoren und Maschinen sind fast alle durchgecheckt und wieder flott, die Schafe schieben erwartungsvoll ihre Kugeln und wollen langsam raus aus dem Stall und die Bullen sind ganz schön groß geworden.

 

Schafe im Stall

 

Schafe an der Heuraufe im Stall

 

Aufziehen der Minitunnel über den Kräutern

 

Bullen im Stall

 

Hoffnungsvoll!

 

Rebekka Zell

für das Ackerlei-Team