Ackerlei

Mitglied im Anbauverband Bioland

Neulich in der Saisongarten-Whatsappgruppe kam die unvermeidliche Frage auf: Was tun mit den niedlichen Käfern in den gestreiften Pyjamas, die sich in den Kartoffeln zu Hause fühlen?!

 

 Kartoffelkäfer

 

Nun, wir sind dann mal mit einem ausgedienten Marmeladenglas losgezogen, um die Lage zu erkunden. Auf der Zellschen Garten-Parzelle haben wir zwölf der genannten Fresser entdeckt und zunächst mal eingesammelt. Von der bäuerlichen Seite aus betrachtet, sind es Kartoffelkäfer, die nicht besonders hübsch, aber umso gefräßiger sind. Sie kennen kein Sattgefühl, solange sie Kartoffelpflanzen auf dem Teller haben, vermehren sich noch während des Mittagessens und bis es Abend wird, stehen nur noch Kartoffelblattgerippe auf dem Feld… also: Störenfriede, Piraten, Bedrohung für den menschlichen Speiseplan. Somit gibt es aus dieser Sicht nur eine Möglichkeit: Ausrottung! Und weil wir halbwegs nette Menschen sind, nehmen wir Neem (Teebaumöl) als Nervengift für einen sanften Tod.

 

Aus Sicht des Hobbygärtners sind es interessante Lebewesen, die zunächst harmlos wirken, anfangs nur hier und da zu sehen sind und als nette Gäste und Gartendeko betrachtet werden… Insekten, sind doch auch wichtig! Wenn man dann nach einiger Zeit bemerkt, dass die Deko sehr hungrig ist, fängt man etwas beunruhigt an, die Tierchen abzusammeln. Aber was nun? Hühner mögen sie nicht, wie der Test ergeben hat. Ersticken im Marmeladenglas? Nicht die feine englische Art… schließlich haben wir schon eine zarte Beziehung - teilten wir uns ja immerhin den Garten. Mmhh, nun bei uns ging es so aus, dass die zwölf Kartoffelkäfer auf Familienratsbeschluss Gnade erfahren haben und ausgesetzt wurden - allerdings weit weg vom Kartoffelacker. Tja, alles nicht so leicht, auch nicht im Kartoffelkäferleben.

 

Eine nicht minder große Bedrohung für unsere Kartoffeln ist - bei diesem sehr feuchten und schönen warmen Wetterchen - die allseits gefürchtete Pandemie namens Phythopthora, bekannt als Krautfäule!

 

Dunkelbraun und bedrohlich frisst sie sich in das Kraut der Kartoffel bis es zusammenbricht und stirbt. Mit dem Krauttod ist dann auch das Wachstum der Kartoffelknollen beendet und, wenn es richtig schlecht läuft, geht die Fäule sogar auf die Knollen über. Daher heißt der Auftrag derzeit: Obacht! Aufmerksam und regelmäßig die Flächen kontrollieren. Allerdings kommt man in diesem Fall weder mit Masken noch mit Impfstoff weiter. Die Bekämpfung ist im Bio-Anbau eine Herausforderung. Wir können nur im Vorfeld einige vorbeugende Maßnahmen treffen: die Verwendung von resistenten oder mindestens toleranten Sorten, größere Abstände zwischen den Pflanzen für eine gute Belüftung und eine weite Fruchtfolge. Das heißt, dass nur etwa alle sechs Jahre Kartoffeln auf demselben Acker angebaut werden. Wenn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen die Phythopthora zuschlägt, dann ist im Bio-Anbau ein Wirkstoff zugelassen, nämlich Kupfer. Als Bioland-Mitglied dürfen wir diesen allerdings nur in besonderen Härtefällen und dann auch nur mit Ausnahmegenehmigung einsetzen. Aber soweit wollen wir es am liebsten nicht kommen lassen…

 

 Kartoffelacker vor und nach dem Striegeln

 

Außerdem – wie könnte es anders sein;) – gibt es ein bemerkenswertes Wachstum von diesem andern Grünzeug, dass nicht alles Namen hat und leider nicht mit Kartoffelanbau zeitgleich auf dem Feld kompatibel ist. Hier ein Vorher–Nachher- Foto. Derzeit wird mit dem Striegel durch die Kartoffeln gefahren, um das Unkraut in seine Schranken zu verweisen. Anschließend werden die Kartoffeldämme wieder aufgehäufelt.

 

Kartoffeln frisch ab Hof Bioland

 

Herzkartoffel

 

Ein Wunder, bei all den Bedrohungen denen die leckeren Knollen ausgesetzt sind, dass wir schon letzte Woche beginnen durften, die ersten neuen Kartoffeln zu ernten. Annabell und Solist sind unsere ersten Frühkartoffeln. Die Schalen sind noch nicht besonders fest, darum ist das Ernten etwas heikel und lagern kann man sie auch noch nicht länger. Nach wenigen Tagen werden sie schrumpelig und verfärben sich schnell grün. Darum ernten wir diese frühen Sorten nur nach Bedarf. Es empfiehlt sich, sie nur für den direkten Verzehr einzukaufen und im Dunklen aufzubewahren.

 

Staudensellerie auf dem Acker

 

Fenchel geerntet

 

Weißkohl auf dem Acker

 

Landgurken im Folientunnel

 

Salate, Spinat und Radieschen gab es ja schon massig dieses Frühjahr. Gut, dass es noch anderes leckeres Gemüse gibt! Wir ernten nun den ersten Fenchel, Weißkohl, Spitzkohl, Wirsing, Staudensellerie, Landgurken und Zucchini! Jippii!

 

Zucchini auf dem Acker

 

Zucchini mit Blüte

 

Ja, es gibt ihn: den Staub von der wichtigen Sorte! Wenn die Bauern landauf und landab derzeit viel Staub aufwirbeln, hat das sehr gute Gründe. Die Heu-Ernte für das Viehfutter ist in vollem Gange, oder auch die Ernte von Wick-Roggen - für unsere, in den letzten drei Jahren getestete, und für gut und ausbaufähig bewertete Arbeitsweise - mit dem Mulch-System. Für solche Ernte-Aktionen benötigt man zwingend sehr warmes und trockenen Wetter, eine leichte Brise, viel Manpower, gute Nerven – und ab und zu ein Tässchen Kaffee hilft ungemein!

 

Thomas im Wick-Roggen

 

Kaffeepause

 

Unsere mannshoch gewachsene Wicken-Roggen-Mischung wurde also gemäht. Vorher mussten die Jäger durchgehen und mit Drohnen schauen, dass sich keine Rehkitze darin befanden. Es folgte das Schwaden, dann kam der Häcksler, um alles zu zerkleinern und auf Wagen zu pusten. Ein Teil wurde direkt mit dem Miststreuer als Mulchschicht auf die Felder ausgebracht, die demnächst mit einer speziellen neuen Pflanzmaschine mit Lauch und anderem Wintergemüse bepflanzt werden. Das übrige Material wurde auf große Haufen gefahren, verdichtet und abgedeckt für den späteren Gebrauch, zum Beispiel in den Gewächshäusern.

 

Wick-Roggen, Wicken-Roggen-Mischung

 

Mulchschicht auf Feld

 

Wick-Roggen Häckseln

 

Wick-Roggen Häckseln

 

Erntetag

 

Erntetag

 

Solche Erntetage sind lang, erfordern eine intelligente Logistik und eine gute Gemeinschaft unter den Landwirten. Das ist eine der wunderbaren Seiten der Landwirtschaft: Unter Bauern hilft man sich oft noch gegenseitig!

 

Tomaten im Folientunnel, Mulch wird eingebracht

 

Landgurken im Tunnel mit Nützlingen

 

In unseren Tomatenpflanzen in den Folientunneln ist auch Mulch eingebracht worden. Hier ist das allerdings noch richtige Handarbeit. Wenn es aber mal geschafft ist, darf man die unschlagbaren Vorteile genießen: weniger Bewässerung, weil die Feuchtigkeit besser im Boden bleibt, weniger Unkraut, weil es kaum durch den Mulch herauswächst, weniger Probleme mit Krankheiten und Ungeziefer, weil das Klima ausgeglichener ist und stabilere Pflanzen, weil der Boden gesünder ist durch ein aktiveres Bodenleben.

 

„Warum macht ihr das nicht auch in die Gurken?“ werden wir von aufmerksamen Beobachtern gefragt. In den Gurken haben wir es auch versucht, aber dort haben wir uns immer eine Wühlmauskolonie herangezogen, die dann die Gurkenpflanzen von unten abgefressen hat. Mit Vliesabdeckung läuft das in den Gurken einfach ähnlich gut und ohne Mäuseplage – darum.

 

Gegen anderes unerwünschtes Getier gibt es die natürlichen Gegenspieler, sogenannte Nützlinge. Diese bringen wir gezielt aus, beispielsweise gegen Blattläuse. Das sind dann diese merkwürdigen Pappröhrchen oder Tütchen, die zwischen den Pflanzen hängen.

 

So, damit keine Langeweile aufkommt, darf die Beregnung derzeit viel und am besten überall laufen. In der kommenden Woche dürfte das ein Full-Time-Job werden, der hoffentlich nicht den Fröschen im Teich die Lebensgrundlage entzieht…wäre schade, um die tollen Frosch-Konzerte.

 

Bewässerung auf dem Acker

 

Und dann braucht man ja auch noch Zeit, um all die Schönheiten am Wegesrand zu bewundern und in aller Ruhe Erdbeerquark zu vernaschen!

 

Diese Zeit wünscht Ihnen

Rebekka Zell

für das Ackerlei-Team

 

Sommerweide mit Mohnblumen

 

alter Wagen mit Mohnblumen

 

Heuschrecke auf Phazelia

 

Erdbeerquark